Es war einmal... Überraschung am Morgen

Hallo,

Birgit hat gemeint, es wäre so kurz vor Halloween mal wieder Zeit für eine Geschichte vom Hexenturm und hat mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, heute aus dem Märchenbuch vorzulesen. Klar hab' ich Lust dazu - ich bin schon richtig gespannt. Ich hoffe nur, es wird keine Geschichte darüber, wie der Hexereibedarfsstand von Magica bestückt wird *grins* Na, mal sehen... los geht's:


Es war einmal... an einem geheimen Ort, weit weit weg und doch ganz nah mitten unter uns, da lebte eine Bärchenhexe namens Magica de Spell glücklich und zufrieden in einem gemütlichen, wenn auch sehr engen und geräumigen Hexenturm. Eines sehr schönen Herbstmorgens - Halloween lag schon deutlich in der Luft - stand Magica in ihrem Schlafgemach vor dem Zauberspiegel und beendete ihre Morgentoilette. Sie rückte gerade ihren Hut zurecht und wollte sich aufmachen in die Küche, als sich der Zauberspiegel, der sich bis dato nicht mal zu einem "Guten Morgen" hatte hinreissen lassen, vernehmlich räusperte.


"Ich sehe was, was Du nicht siehst." sagte der Zauberspiegel. Magica zog die Augenbrauen hoch. "Etwa einen unhöflichen Zauberspiegel, der seiner Meisterin nicht einmal einen Guten Morgen wünscht? Nun, ich darf Dir versichern - DEN sehe ich sehr wohl..." Der Zauberspiegel tat, als hätte er sie nicht gehört (darin war er übrigens richtig gut). "Ich sehe... ja... da... die Nebel lichten sich... ach, wenn ich doch heute Morgen bloß nicht wieder mit dieser Migräne aufgewacht wäre..." Und er verstummte. Magica seufzte hörbar und in ihrem Gesicht konnte man deutlich lesen, dass sie sich zum 1087. Mal die Frage stellte, ob es wirklich klug gewesen war, den Zauberspiegel aus dem Räumungsverkauf von Schneewittchens Stiefmutter zu erwerben.

Aber eigentlich wollte sie sich ihre gute Laune nicht verderben lassen, es war ein schöner Herbsttag und ihr Verkaufsstand für Hexereibedarf stand kurz vor der Eröffnung. "Nun, wenn Du Migräne hast, dann werde ich nachher mal meine Kristallkugel befragen - oder mich überraschen lassen." Sie drehte sich tatsächlich um und wollte gehen, und das wurmte den Zauberspiegel, der seine großen Auftritte immer sehr genoß und es gar nicht mochte, wenn er nicht beachtet wurde.

Mit sehr theatralischer Betonung hob der Zauberspiegel erneut an: "Ich sehe... ich sehe zwei Schwestern... zwei Schwestern, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten... die eine zog die andere groß, aber dann hat sie etwas entzweit... seit Jahren haben sie sich weder getroffen noch miteinander gesprochen... die Nebel lichten sich... der Grund für dieses Zerwürfnis war..." Magica unterbrach ihn scharf: "Halt den Mund! Wag' es nicht - ich kenne da einen kleinen Zauberspruch, um einen Vorschlaghammer herbei zu zaubern!" Aber der Zauberspiegel ließ sich nicht einschüchtern und trumpfte auf: "Und ich weiß, von wem Du diesen Zauberspruch gelernt hast - Arthud war wirklich sehr talentiert... und so gutaussehend." Der Zauberspiegel wagte ein gehässiges Grinsen.


Arthud - der Name ließ Magica immer noch zusammen zucken. Sie musste sich erst einmal hinsetzen und streichelte gedankenverloren den schuppigen Rücken von Fire Opal. Arthud war ihr wundester Punkt - und die Liebe ihres Lebens. Eine Liebe, die nicht sein sollte, denn als sie ihn kennen lernte, war er schon mit ihrer kleinen Schwester verlobt. Mysteria - jung, bildhübsch und lustig, völlig anders als ihre große Schwester, die schon früh nach dem Tod ihrer Eltern lernen musste, für sich und ihre kleine Schwester Verantwortung zu übernehmen. Magica hatte in dem Moment ihr Herz verloren, als sie ihm das erste Mal gegenüber stand - und Arthud hatte im gleichen Moment begonnen zu zweifeln, ob er sich mit der richtigen de Spell-Schwester verlobt hatte. Aber Magica hätte niemals ihr eigenes Glück über das ihrer Schwester gestellt, sie war damals fortgegangen, weit weg von allem und hatte im Zauberturm ein neues, stilles Leben begonnen.

Der Zauberspiegel riss sie aus diesen trüben Erinnerungen: "Was ich ja eigentlich sagen wollte - Deine Schwester ist auf dem Weg hierher!" Magica war alarmiert. "Sie kommt hierher? Nach all der Zeit - sag' mir, was passiert ist! Sie kommt doch nicht grundlos." Der Zauberspiegel stöhnte laut: "Ich glaube, es ist besser, wenn Du das nicht von mir erfährst, sondern es selbst heraus findest. Und Du weißt ja, meine Migräne..."


Zur gleichen Zeit stand Draco im Hexengarten vor einer schweren Entscheidung - sollte er sein Frühstück mit einer Weintraube oder einer Banane beginnen? So viel Auswahl an leckeren Früchten... da vernahmen seine scharfen Ohren ein Geräusch - jemand näherte sich dem Tor des Hexenturms. "Komisch" dachte Draco, "warum hat sich Fido denn nicht gemeldet?" Er beschloss, selbst einen Blick zu riskieren und spähte um die Ecke. Und obwohl er ihr noch nie begegnet war, wusste er sofort, wer sich da dem Hexenturmtor näherte...


"Das kann ja heiter werden - dabei fing der Tag so gut an" dachte Draco.

* * *
Fortsetzung folgt
* * *

Hoppla - das war ja nun echt überraschend. Eine tragische Liebesgeschichte... hach, da wird mir ja ganz warm um's Herz. Ich bin echt gespannt, wie's weiter geht... ich meine, wer da wohl vor dem Tor steht, das kann ich mir ja schon denken. Ihr auch? Na, morgen geht's weiter... *zwinker* Ich geh' mir inzwischen die Vorlesestimme mit einer Honigmilch ölen...

Liebe Grüße
Eure Märchentante Bluebell